Less Waste

Das Thema Zero Waste ist aus der aktuellen Medienwelt kaum noch wegzudenken und erfährt nach meinem Gefühl eine fast vergleichbare Popularität wie z.B. die vegane Ernährung. Unverpackt-Läden werden eröffnet, Handelsunternehmen ergreifen erste Maßnahmen, um Verpackungsmüll zu reduzieren, die weltweite (Plastik-)Müllproblematik rückt immer mehr in das Bewusstsein unserer (westlichen) Gesellschaft.  Daher denke ich, dass es hier überflüssig wäre, den Begriff Zero Waste groß zu erklären, sondern vielmehr will ich heute von meiner „Beziehung“ zu dem Thema erzählen und von meinen Versuchen, etwas nachhaltiger und müllfreier zu leben.
Im zweiten Teil wird es darum gehen, welche Tendenzen es heute in der Wirtschaft zu dieser Thematik gibt.

Vor einigen Monaten gab es eine Phase, in der ich mich recht intensiv mit dem Thema Zero Waste beschäftigt und erstmal viel recherchiert habe. Ich habe Blogs wie Wasteland Rebel (auch ein schöner Instagram Account) und ZeroWasteLifestyle verschlungen, mir YouTube-Videos dazu angesehen und begonnen, beim Lebensmitteleinkauf etwas umzudenken bzw. bewusster einzukaufen. Und gerade weil ich so viel von Menschen erfahren habe, die wirklich konsequent Zero Waste leben und deren jährlicher Plastikmüll in ein Einwegglas passt, glaube ich, dass für mich dieser Lebensstil zu aufwendig und mit zu viel Verzicht verbunden ist.

Ich versuche seitdem aber, zumindest Less Waste zu konsumieren, und das bedeutet:

Beim Einkaufen von Obst und Gemüse achte ich stark darauf, größtenteils Unverpacktes zu kaufen, erstmal unabhängig davon, ob Bio oder nicht. Das (und auch meine generelle Bio-Affinität) hat aber dazu geführt, dass ich immer öfter zu Alnatura gehe, wo fast alles im Obst&Gemüse-Bereich unverpackt ist. Gerade wenn ich im normalen Supermarkt einkaufe, verzichte ich dann auch mal auf etwas Bestimmtes und greife spontan zu etwas anderem, Unverpacktem. Sehr schade finde ich, dass Salate sehr oft mit Plastik umwickelt sind und da mache ich dann auch mal eine Ausnahme. Da Obst und Gemüse einen Großteil meiner Einkäufe ausmachen, kann ich so schon einiges an Plastik einsparen, und das macht sich auch an der Fülldauer unseres Plastikmülleimers bemerkbar.

Bei anderen Lebensmitteln wie z.B. Trockenware wie Müsli(-zutaten), die ich allerdings auch sehr viel seltener als Frisches kaufe, bin ich leider deutlich weniger Less Waste unterwegs, obwohl es durch den Unverpackt-Laden bei mir um die Ecke ja eigentlich logistisch so leicht wäre. Und genug Behälter zum Abfüllen habe ich mittlerweile auch angesammelt, stark beeinflusst durch meinen hohen Nussmus-Konsum 😉. Häufig landen Nüsse, Haferflocken etc. noch zusammen mit meinem normalen (Bio-)Supermarkt-Einkauf im Einkaufskorb, oft direkt nach der Arbeit. Ich würde aber sagen, dass ich hier auf einem guten Weg bin, denn immer öfter gehe ich gezielt zum Unverpackt-Laden, um Lebensmittel von meiner „Tante Olga“-Wunderlist streichen zu können. Und auch die Preise sind für mich nicht mehr so abschreckend wie noch zu Beginn. Natürlich darf man die dort angebotenen demeter, Bioland und Co. Lebensmittel nicht mit Discount-Brille betrachten und sollte sie auch nicht mit z.B. dmBio Preisen vergleichen, da zum einen die Qualität in den meisten Fällen wahrscheinlich eine andere ist und bei Tante Olga die Skaleneffekte bei ihren Einkaufspreisen wegfallen.

Ich bin froh, heute sagen zu können, dass ich mittlerweile für gute, möglichst nachhaltige Lebensmittel gerne bereit bin, mehr zu bezahlen. (Ein wenig wird das zugegebenermaßen auch damit zusammenhängen, dass wir jetzt durch unsere zwei Vollzeitjobs deutlich mehr Geld zur Verfügung haben, als noch während des dualen Studiums)

Im Bereich Kosmetik/Körperpflege habe ich, inspiriert durch Blogs und YouTube Videos, einige Dinge ausprobiert, aber wegen fehlender Begeisterung auch wieder verworfen. Im Frühjahr diesen Jahres habe ich zum Beispiel mehrere Monate lang ein loses Seifenstück für meine Haare benutzt. Das Gefühl beim Waschen und das Haargefühl danach waren anfangs wirklich gewöhnungsbedürftig, wie zu erwarten nach Jahren voller chemischer Shampoos mit Weichmachern etc. Es wurde dann zwar besser, und ich hatte auch das Gefühl, dass meine Haare sauber und frisch wurden, aber als sich das Seifenstück dem Ende zuneigte, habe ich trotzdem beschlossen, wieder auf Shampoo in Flaschen umzusteigen, allerdings wenigstens als Naturkosmetik. Hier finde ich die Alverde-Shampoos von dm ganz toll, die laut Deklaration zu mindestens 96% aus recyceltem Material besteht.

Außerdem habe ich mir bei Tante Olga schon zweimal eine Bambus-Zahnbürste gekauft und benutzt, und auch hier fühlt es sich anfangs etwas anders an, aber auch das ist einfach Gewöhnungssache. Die Zahnputz-Tabletten, die ich mir mal zum Ausprobieren bei Tante Olga abgefüllt habe, habe ich erst ein einziges Mal ausprobiert, und seitdem liegen sie unbenutzt im Schrank. Vielleicht gebe ich ihnen bald nochmal eine Chance, zumindest aufbrauchen sollte ich sie ja.

Generell kaufe ich mit mittlerweile Kosmetik nur noch, wenn etwas zur Neige gegangen ist. Und falls das leere Produkt keine Naturkosmetik war, tendiere ich dann zu einer Naturkosmetik-Alternative. Das Angebot von der dm-Eigenmarke Alverde ist ja wirklich riesig und vor allem auch richtig günstig, besonders im Vergleich zu den Markenanbietern von Naturkosmetik, und ich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Zum Glück bin ich lange aus meiner Teenager-Phase herausgewachsen, in der ich mir mindestens wöchentlich einen neuen Nagellack oder Lidschatten gekauft habe. Life’s a journey 😉.

Insgesamt kaufe ich seltener verpackte Gegenstände als früher, und bin in der Hinsicht auch froh, dass die Anfangszeit in dieser Wohnung vorbei ist, in der wöchentlich mehrere Amazon Pakte und damit auch Berge von Pappe und Plastik bei uns ankamen, weil uns noch so viel an Einrichtung „fehlte“. Wenn uns heute einfällt, dass es doch schön wäre, das und das zu haben, zum Beispiel einen Sodastream, überlege ich heute zweimal, ich das überhaupt wirklich brauche und haben will. Das ist dann aber primär von dem Wunsch gesteuert, mich und die Wohnung nicht mit immer mehr Kram vollzuladen (Thema Minimalismus), und weniger vom Less Waste Gedanken. Hier sieht man aber, dass beide Konzepte sehr gut miteinander im Einklang funktionieren und sich gegenseitig unterstützen. Und noch kurz zum Sodastream: Seit einer Woche besitzen wir durch einen glücklichen Zufall tatsächlich einen! Als ich beim Besuch meines Opas und seiner Lebensgefährtin am letzten Sonntag davon erzählt habe, dass wir Sprudelwasser lieber trinken als stilles Leitungswasser und wir deshalb schon mit dem Gedanken gespielt haben, uns ein Sprudelgerät zuzulegen, hat sich gezeigt, dass Opa ein ungenutztes Gerät im Keller stehen hat und es uns gerne mitgeben würde. Doppelt schön: ein unbenutztes Gerät (das ja in der Herstellung Ressourcen verbraucht hat) kommt wieder in Gebrauch und Opa konnte uns eine Freude machen. Sebi und ich mussten in dem Moment beide an die „law of attraction“ oder das Gesetz der Anziehung im Universum denken. Dazu aber vielleicht in einem anderen Beitrag mal mehr.

Und da der Beitrag jetzt schon wieder ganz schön lang geworden ist, will ich nur kurz in Stichpunktform beispielhaft sammeln, was es für schöne Less Waste-Entwicklungen in unsere Handelsbranche gibt.

  • Natürlich die großflächige Abschaffung von (kostenlosen) Plastiktüten im dt. Einzelhandel
  • Bestrebungen der großen Lebensmittelhändler, Verpackungsmüll zu reduzieren, z.B. durch „Natural Branding“ bei REWE, d.h. Laser-Kennzeichnung von erstmal Bio-Süßkartoffeln und Avocados, statt sie durch eine Plastikverpackung von der konventionellen Ware zu trennen,
  • Ganz aktuell: in 2 REWE Test-Märkten in NRW können Kunden mit ihren eigenen Tupperdosen an die Frischetheken gehen, und sparen so einiges an Plastik und Verpackung ein
  • Abschaffung von Einweg-Kaffeebechern an den Kaffeeautomaten in meinem Unternehmen (wobei es hier mal interessant zu wissen wäre, wie viele Ressourcen für die Produktion der Tausenden von Thermo-Mehrwegbechern nötig waren)

Ich glaube, dass all diese Maßnahmen natürlich nicht genug sind, aber jede für sich ein wichtiger und richtiger Schritt in die richtige Richtung. Durch die pure Größe und Marktmacht dieser Handelsunternehmen können jährlich große Mengen an Plastik eingespart werden, und vielleicht fast noch wichtiger: Das Bewusstsein in der Gesellschaft steigt und es kommt immer mehr zu einem Umdenken und bewussterem Umgang mit Plastik.

🙂

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